Brugg

Wirkt sich ein geologisches Tiefenlager auf die Preise von nahe gelegenen Immobilien aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine im Auftrag des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) Studie, die von der Beratungsfirma Wüest & Partner erarbeitet wurde. 

Die heute veröffentlichte Studie kommt zum Schluss, dass sich ein nahe gelegenes geologisches Tiefenlager in der Preisgestaltung von Immobilien niederschlagen kann, dass die Entwertung der Immobilien aber im einstelligen Prozentbereich liegen dürfte.

Beigezogene Expertinnen und Experten bestätigen die Ergebnisse der Studie, weisen aber darauf hin, dass die Auswirkungen eines Tiefenlagers auf die Immobilienpreise nicht exakt quantifiziert werden können. Ferner wird darauf hingewiesen, dass in der Schweiz Erfahrungswerte mit Tiefenlagern fehlen und dass der Prognosehorizont der Studie von Wüest & Partner ausserordentlich lang ist. 

Die Regionalkonferenz Jura Ost wird die Ergebnisse der Studie in Etappe 2 des Sachplanverfahrens berücksichtigen. In Etappe 2 werden die möglichen Standorte von Aussenanlagen auf ihre Auswirkungen hin überprüft.

Die Studie ist in elektronischer Form unter www.bfe.admin.ch erhältlich. 

Wahl von drei Fachgruppen – jetzt wird’s konkret

Am vergangenen Mittwoch trafen sich in Villigen 63 Mitglieder der Regionalkonferenz Jura-Ost. Im Zusammenhang mit der Suche nach einem geologischen Tiefenlager für radioaktive Abfälle haben sie die Aufgabe, die Anliegen der Region einzubringen.

Die Versammlung widmete sich zwei Schwerpunkten. Sie informierte sich zuerst über die zukünftigen Oberflächenanlagen. Dann erfolgte die Wahl von drei Fachgruppen, die sich in den kommenden Monaten und Jahren intensiv mit den Themen Oberflächenanlagen, sozioökonomisch-ökologischen Wirkungsstudie (SÖW) und Sicherheit befassen werden.

 

Oberflächenanlagen

Zu den für ein Tiefenlager notwendigen Oberflächenanlagen gaben Pascale Künzi vom Bundesamt für Energie, Lena Poschet vom Bundesamt für Raumentwicklung und Markus Fritschi von der Nagra verschiedene Einzelheiten bekannt. Künzi skizzierte, wie bei der Suche nach geeigneten Standorten vorgegangen wird und stellte klar, dass es sich hier um einen langjährigen Prozess handelt, in den die Regionalkonferenz mehrfach eingebunden ist. Poschet betonte, dass die Regionalkonferenz aufgrund ihrer Ortskenntnisse nicht nur die dereinst von der Nagra vorgelegten Standorte beurteilen, sondern auch eigene Vorschläge einbringen könne. Diese würden dann von der Nagra auf ihre Umsetzbarkeit überprüft. Fritschi beschrieb schliesslich, nach welchen Überlegungen die Nagra bei der Standortevaluation vorgeht: Sie untersucht die technische Machbarkeit, überprüft die Raum- und Umweltverträglichkeit und schätzt ab, inwiefern sich eine solche Anlage in einen Standort „einpassen“ lässt. Auch er betonte, dass man für Vorschläge und Einwände der Regionalkonferenz absolut offen sei.

 

Drei Fachgruppen

Aufgrund von eingegangenen Bewerbungen aus der Konferenzmitte wurden im Plenum die Mitglieder von drei Fachgruppen gewählt. Die Fachgruppe Oberflächenanlagen wird sich mit den oben beschrieben Fragen befassen. Die Fachgruppe SÖW beteiligt sich an der Diskussion über mögliche Auswirkungen eines Tiefenlagers auf die Wirtschaft, die Umwelt und die Bevölkerung der betreffenden Region. Es geht hier zum Beispiel um die Standortattraktivität, um Arbeitsplätze, um Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes etc. Die dritte Fachgruppe wird die unterschiedlichsten Aspekte diskutieren, die unter den Sammelbegriff Sicherheit fallen.

Am 22. Oktober nahmen gut 30 Mitglieder der Regionalkonferenz Jura Ost sowie einige Gäste aus der Region Wellenberg am zweiten Ausbildungsmodul zum Thema "Sicherheit/radioaktive Abfälle" teil. Auf dem Programm standen wiederum Besuche des Felslabors Mont Terri in St-Ursanne und des Zwischenlagers (ZWILAG) in Würenlingen. Ergänzt wurden diese Besuche durch Referate zu den Themen "Sicherheit" und "radioaktive Abfälle".

regionalkonferenz jura ost im felslabor 

Am 24. Oktober 2011 werden in den potenziellen Standortregionen Jura Ost und Nördlich Lägern seismischen Messungen gestartet. Diese Messungen dienen dazu, mit Blick auf Etappe 2 des Sachplans geologische Tiefenlager die Kenntnisse über den geologischen Untergrund zu vertiefen. Zuvor - im Juni 2010 - hatten die potenziellen Standortkantone eine bessere Vergleichbarkeit der Standortgebiete in der Schweiz gefordert.

Behörden und Bevölkerung werden während der Messungen, die in Absprache mit den kantonalen Behörden und nach Vororientierung der Gemeinden erfolgen, periodisch informiert. Die Messungen werden überdies von Fachbehörden des Bundes und der Kantone begleitet.

Rund 30 Mitglieder der Regionalkonferenz Jura Ost beschäftigten sich am 30. September einen ganzen Tag lang mit den Themen Sicherheit und radioaktive Abfälle. Das entsprechende Ausbildungsmodul beinhaltete neben Besuchen des Felslabors Mont Terri und des Zwischenlagers in Würenlingen mehrere Fachreferate und bot darüber hinaus viel Platz für Diskussionen. 

Die nächste Ausbildungsveranstaltung zu den gleichen Themen findet am 22. Oktober statt.

regionalkonferenz im felslabor mont terri 

Am Abend des 29. Septembers trifft sich das Startteam Jura Ost in Murg (D) zu einem Abschlusshock. Das Startteam hatte vor allem den Auftrag, die regionale Partizipation für die Etappe 2 des Sachplanverfahrens geologische Tiefenlager aufzubauen. Mit der Gründung der Regionalkonferenz am 18. Juni 2011 wurde dieser Auftrag erfüllt. 

abschlusshock